Verkehrswende für die Innenstadt: Pilotprojekt gestartet

Endlich ist es so weit! Der lange geplante Versuch, die Mannheimer Innenstadt lebenswerter zu gestalten, ist am 11. März gestartet worden. Damit geht man in Mannheim erfreulicherweise einen modernen, zeitgemäßen Weg.

Hinter dem schönen deutschen Substantiv „Flächengerechtigkeit“ steckt eine ordentliche Menge Brisanz: Bisher wurde die Dominanz des Autos in den (deutschen) Innenstädten nicht oder nur sehr selten infrage gestellt. Konsequenz daraus war und ist eine ungerechte Verteilung städtischer Flächen zugunsten der Kraftfahrzeuge und zuungunsten der Lebensqualität. Das könnte sich nun dank des Mannheimer Modellversuches ändern.

Klar: Es gibt zu jedem „Pro“ auch immer ein „Contra“ – und die Freunde der uneingeschränkten Freiheit für SUV und co. finden nun jede Menge Haare in der Suppe. Bzw. sie erfinden Argumente, die bei genauerer Betrachtung an den Haaren herbeigezogen erscheinen. Ob zum Beispiel der Einzelhandel wirklich leiden und die Innenstadt aussterben wird, nur weil man nicht mehr mit dem Auto bis vor die Tür der Lieblingsapotheke fahren kann, mag mindestens bezweifelt werden. Denn ein Fußgänger und Radfahrer ist unter dem Strich viel näher dran – am Schaufenster. Und hat viel mehr Zeit, in selbiges hineinzuschauen und sich vom Angebot anlocken zu lassen. In der spanischen Stadt Pontevedra funktioniert’s ohne Auto schon seit fast 20 Jahren – und die Auswirkungen auf den Einzelhandel sind dort durchweg positiv bewertet worden.

Jetzt liegt es nicht zuletzt an uns allen, aus diesem Versuch ein Positivum zu machen: Wir können die Flächen und Angebote nutzen, die sich aus der Verkehrsberuhigung ergeben. Wir können den lokalen EInzelhandel, Cafés und Kneipen in den Quadraten wieder stärker frequentieren. Speziell die Gastronomie hat auch dank Corona überdurchschnittlich gelitten, viele gute Läden mussten schließen oder anonymen Grossketten Platz machen. Café Journal, Bistro Tomate, Bar „Nummer 6“ – Institutionen in Mannheim, die jetzt nicht mehr sind.

Die kleine Kneipe und das liebevoll dekorierte Lädchen sind wichtig für unsere Lebensqualität! Zeigen sie doch menschliche Kreativität und Individualität und sind dadurch Quelle von nachbarschaftlicher Wärme und Lebensfreude. Der Frühling steht vor der Tür, also raus aufs Rad oder zu Fuß in eine lebendige Innenstadt mit spürbar weniger Abgasen, weniger Lärm und mehr Spiel-Raum. Helfen wir mit, die Kneipe und den Laden nebenan, diese oft liebevoll ausgestalteten Inseln von und für Menschen zu erhalten und zu fördern.

Gut zu wissen: Die Mannheimer Initiative „QuadRadEntscheid“ hat konkrete Ziele für Veränderungen zugunsten einer umweltfreundlichen Stadt formuliert und versucht momentan, ein entsprechendes „Bürgerbegehren“ durchzusetzen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.